Berlin in Öl

von | Jun 15, 2017 | Allgemein | 0 Kommentare

Berlin in Öl.

Ein Kulissenblick hinter die Arbeit von Designer Markus Büsges.
„Jedes Mal neu. Jedes Mal anders“, verspricht das Gesellschaftsmagazin Dummy. Um dieses Versprechen zu halten, gibt es jede Ausgabe ein neues Thema, neue Designer und neue Autoren. Diese immer wieder neue kreative Melange macht Dummy zu etwas Besonderem im Zeitschriftenregal. Der Anspruch vom Oliver Gehrs, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Dummy, ist, Geschichten zu erzählen, die sonst keiner erzählt und sich traut abzudrucken.
Diesen Anspruch gibt er viermal im Jahr an die Kreativteams jeder Ausgabe weiter: „Liefert mir Geschichten, die ich noch nie gehört habe. Zeigt mir Bilder, die ich noch nie gesehen habe. Macht daraus ein Magazin, das für die Menschen da draußen ein neues Erlebnis ist“. Der Designer Markus Büsges nahm mit seinem Kollegen Björn Wolf die Herausforderung der 22. Dummy-Ausgabe an. Das Thema: Berlin.
„Wir waren uns sicher, dass Berlin ein total geiles Thema ist“,
erinnert sich Markus Büsges. „Es gibt so unglaublich viel zu sagen und zu zeigen. Sofort hatten wir Fotoserien von Hipster in Clubs und von Punks am Alex im Kopf. Dann haben wir angefangen zu recherchieren, was es schon alles zum Thema Berlin gibt“.
In der Recherche-Phase ist Markus Büsges wie ein Schwamm. Er saugt alles auf, was er zum Thema finden kann. Es gibt kein wichtig oder unwichtig. Kein richtig oder falsch. Die Neugier steht an erster Stellen des Problems, dass gelöst werden will, wusste schon Galileo Galilei. „Dass ist intensive Detektivarbeit“, sagt Markus Büsges „Man weiß nie, welches Detail für den ausschlaggebenden Impuls entscheidend ist“.
Irgendwann haben Markus Büsges und Björn Wolf festgestellt, dass bereits alles über Berlin gesagt und gezeigt wurde. Diese Erkenntnis war für sie sehr frustrierend. Aber sie haben nicht aufgehört zu suchen. Bis sie über einen Künstler gestolpert sind, der all ihre aufgestaute Kreativität entladen hat: Edward B. Gordon. Zum Zeitpunkt ihrer Recherche war Gordon ein relativ unbekannter Künstler. Er malte jeden Tag ein Ölbild von Berlin. Nicht als Auftragsarbeit, sondern zum Zweck der Selbstmotivation. Die beiden Designer haben sich die Bilder des Künstlers angesehen. Es waren hunderte. „Uns war schnell klar, dass wir irgendetwas über ihn oder mit ihm machen müssen“, erinnert sich Markus Büsges.
Bei ihren Überlegungen, wie sie dem Magazin ein durchgängiges Aussehen verpassen können, kam plötzlich die verrückte Frage auf: „Warum machen wir nicht das ganze Magazin nur mit Ölbildern? Das wäre doch mal total geil.“ Ihre Begeisterung für diese Idee ist jedoch schnell auf Widerstand gestoßen. „Das geht doch nicht“, haben alle gesagt. „Doch, das geht“, dachten die beiden kreativen Köpfe, „aber wie?“.
Also haben sie weiter geforscht. Alle Bilder gesichtet, sortiert und geordnet. Um zu sehen, ob es Bilder gibt, die schon zu den ersten fertigen Geschichten im Magazin passten. Es gab sie. Auf die Idee, das ganze Budget für Fotografie und Bildrechte in die Arbeiten von Edward B. Gordon zu investieren, antwortet der Herausgeber Oliver Gehrs nur: „Berlin ist auf jeden Fall eine Stadt, die es verdient hat, in Öl festgehalten zu werden.“

Am Ende kamen 70% der Bilder im Magazin aus dem Fundus von Gordon und 30% musste der Maler neu machen. Dass bedeutetet für ihn, fast einen Monat lang, jeden Tag, für die Berlin-Ausgabe der Dummy ein Bild zu malen. Es gab aber auch Bilder, wie die Serie der Müllarbeiter, die das Team so gut fanden, dass dafür extra ein neuer Artikel geschrieben wurde.
Die nächste Herausforderung war, die vielen tollen Bilder auf den Seiten optimal wirken zu lassen. Die Lösung haben Markus Büsges und Björn Wolf im 18. Jahrhundert gefunden. Sie nennt sich Petersburger Hängung. Dabei werden möglichst viele Bilder, möglichst nah beieinander angeordnet. „Zu einer klassischen Hängung von Bildern passt auch am besten eine klassische Konstruktion des Satzspiegels“, dachten die beiden Designer, “natürlich im goldenen Schnitt.“

Die gestalterische Freiheit in diesem Projekt ist aber auch nicht ganz ohne Spannung im Team verlaufen. Besonders die Frage: „Wie soll das Titelbild aussehen?“ erhitzte die Gemüter. „Bei einem Cover muss man sich für ein Motiv entscheiden. Ein Motiv, dass alles aussagt und die Leser motiviert, das Magazin in die Hand zu nehmen. Bei dieser Entscheidung haben wir uns im Team total in die Haare bekommen“, gibt Markus Büsges zu.

Es gab über 25 verschiedene Titelentwürfe. Irgendwann hat es dem verantwortlichen Designer gereicht und er hat gesagt: „Okay, wir machen ein demokratischen Titel“. Und wieder war die Reaktion der anderen: „Das geht doch nicht“. „Doch, das geht“, warf Markus Büsges erneut ein. „Jeder sucht sich sein persönliches Lieblingsbild von Edward aus und wir zeigen sie alle. Es wird ein Cover mit Petersburger Hängung.“
Im Nachhinein betrachtet ein naheliegender und sehr guter Schritt. Der Weg dahin war allerdings äußerst steinig.
Am Ende gab der Erfolg dem Kreativ-Team recht. Die Berlin-Ausgabe der Dummy war schnell ausverkauft. Offenbar ist es, trotz oder wegen anfänglichen Zweifel, gelungen, einen ganz besonderen Spirit von Berlin einzufangen.

Link zur Dummy: http://www.dummy-magazin.de
Link zu Markus Büsges: http://leomaria.de

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